Materialwahl
Innendämmung im Bestand: Aerogel oder Mineralwolle?
Wenn die Fassade tabu ist, entscheidet die Wandstärke über das Material. Wann sich der Aerogel-Aufpreis rechnet — und wann klassische Innendämmung reicht.
Bei denkmalgeschützten Fassaden, Gründerzeit-Stuck oder engen Grenzabständen fällt die Außendämmung als Option aus — gedämmt wird von innen. Damit ändert sich die Aufgabenstellung grundlegend: Die Innendämmung verschiebt den Taupunkt in die Wandkonstruktion hinein, und jeder Zentimeter Dämmstärke kostet Nutzfläche. Zwei Materialgruppen konkurrieren hier: kapillaraktive Mineralwolle- bzw. Calciumsilikat-Systeme und Aerogel-Dämmplatten.
Das Grundproblem: Tauwasser an der falschen Seite
Bei der Außendämmung liegt die warme, feuchteunempfindliche Massivwand innen, die Dämmung schützt sie vor Kälte. Bei der Innendämmung liegt die kalte Wand außerhalb der Dämmebene — Feuchte aus der Raumluft, die durch die Dämmschicht diffundiert, kondensiert potenziell an der kalten Wandoberfläche. Kapillaraktive Systeme (Mineralwolle mit entsprechender Deckschicht, Calciumsilikatplatten) begegnen dem, indem sie anfallendes Tauwasser aufnehmen und zur Rauminnenseite zurücktransportieren, statt es in der Wand zu belassen. Aerogel-Dämmplatten sind extrem diffusionsoffen und werden meist in Systemen verbaut, die auf denselben kapillaren Rücktransport setzen — der Unterschied liegt nicht im Feuchtekonzept, sondern in der erreichbaren Dämmwirkung pro Zentimeter.
Der Wandstärken-Vorteil von Aerogel
Aerogel-Dämmplatten erreichen Lambda-Werte um 0,015 W/(m·K) — etwa halb so hoch wie gute Mineralwolle (λ ≈ 0,032–0,035 W/(m·K)). Für denselben Dämmwert braucht Aerogel folglich nur etwa die halbe Dicke. Bei einer Innendämmung mit strengem Platzlimit ist das oft das einzige Argument, das zählt: 3 cm Aerogel leisten ungefähr, was 6 cm Mineralwolle leisten.
| Kriterium | Mineralwolle / Calciumsilikat | Aerogel-Dämmplatte |
|---|---|---|
| Lambda-Wert | 0,032–0,045 W/(m·K) | ca. 0,015 W/(m·K) |
| Dicke für vergleichbaren U-Wert | Referenz | ca. 40–50 % dünner |
| Materialkosten pro m² | niedrig | 5- bis 10-fach höher |
| Verarbeitung | Standard-Gewerk | erfordert eingewiesene Verarbeiter |
| Typischer Einsatzbereich | Vollflächige Innendämmung | Laibungen, Details, Platzlimit |
Wann sich der Aufpreis rechnet
Der Kostenunterschied pro m² ist erheblich — Aerogel kostet ein Vielfaches des Faserdämmstoffs. Vollflächig auf großer Wandfläche verbaut, ist das selten wirtschaftlich zu rechtfertigen, wenn genug Wandstärke zur Verfügung steht. Der Aufpreis lohnt sich dort, wo jeder Millimeter zählt und die Alternative "gar nicht dämmen" wäre:
- Fensterlaibungen und Sturzbereiche, wo 6 cm Mineralwolle das Fenster optisch und funktional zu weit in den Raum rücken würden.
- Denkmalgeschützte Bauteile wie profilierte Stuckdecken oder Wandverkleidungen, bei denen die Anschlussdetails keine dicke Dämmebene zulassen.
- Durchdringungen und Heizkörpernischen, wo eine durchgehende Dämmebene ohnehin unterbrochen würde.
Für die Restfläche bleibt die klassische kapillaraktive Mineralwolle oder Calciumsilikatplatte die wirtschaftlichere und bauphysikalisch gut dokumentierte Wahl.
Feuchtemanagement bleibt entscheidend — unabhängig vom Material
Keine Innendämmung funktioniert ohne durchdachtes Feuchtekonzept. Vor der Materialentscheidung gehört die hygrothermische Simulation (z. B. nach WUFI-Prinzip) auf den Tisch, insbesondere bei Fachwerk, Ziegel mit Salzbelastung oder Wänden mit unbekanntem Wandaufbau. Weder Aerogel noch kapillaraktive Mineralwolle ersetzen diese Prüfung — sie sind die Antwort auf ein bereits bekanntes Risiko, nicht der Ersatz für die Analyse.
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PETRALANA führt kapillaraktive Steinwolle-Systeme für die vollflächige Innendämmung im Bestand; für Detailbereiche mit strengem Platzlimit klären wir die Verfügbarkeit spezieller Aerogel-Dämmplatten projektbezogen.
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