Technisch
WDVS-Armierungsgewebe richtig auswählen
160 g/m² oder 330 g/m²? Alkalibeständigkeit, Rissüberbrückung und wann der Sockel eine zweite Gewebelage braucht.
Im WDVS wird das Glasfasergewebe fast beiläufig behandelt — Hauptsache, es liegt in der Armierungsschicht. Dabei entscheidet gerade dieses Bauteil darüber, ob ein System Stöße und mechanische Belastung ohne Rissbildung übersteht. Wer nur nach Preis pro Rolle einkauft, übersieht die drei Parameter, die tatsächlich zählen: Flächengewicht, Alkalibeständigkeit und Einsatzbereich.
Funktion: Rissüberbrückung, nicht Dekoration
Das Armierungsgewebe wird in die Armierungsmasse eingebettet und übernimmt die Zugkräfte, die bei Temperaturwechsel, Schwinden des Untergrunds oder mechanischem Stoß entstehen. Ohne Gewebe reißt die Armierungsschicht an genau den Stellen, an denen Spannungen sich konzentrieren — Fensterecken, Dämmstoffstöße, Übergänge zwischen Materialien. Das Gewebe verteilt diese Spannung in der Fläche, statt sie an einem Riss zu bündeln. Es ersetzt keine korrekte Verarbeitung (Eckverstärkung, Diagonalstreifen an Fensterecken), aber es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass diese Maßnahmen überhaupt greifen.
Flächengewicht: Standard vs. Panzergewebe
Das Flächengewicht in g/m² ist der wichtigste technische Kennwert und korreliert direkt mit der Zugfestigkeit und Stoßfestigkeit des fertigen Systems.
| Gewebetyp | Flächengewicht | Typischer Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Standardgewebe | ca. 160 g/m² | Fassadenfläche oberhalb des Sockels |
| Panzergewebe | ca. 330 g/m² | Sockel, Erdgeschoss, mechanisch beanspruchte Bereiche |
| Doppelarmierung | 2× Standard oder Standard + Panzer | Sockelzone bis 2 m, Zugangsbereiche |
Standardgewebe mit rund 160 g/m² deckt den überwiegenden Teil der Fassadenfläche ab, wo die mechanische Belastung auf Wind, Temperaturwechsel und normale Nutzung beschränkt bleibt. Im Sockelbereich — dort, wo Fahrräder anlehnen, Rasenmäher streifen oder Passanten die Wand berühren — reicht das nicht. Hier kommt Panzergewebe mit etwa 330 g/m² zum Einsatz, das die doppelte Stoßfestigkeit bei vergleichbarer Verarbeitung liefert.
Alkalibeständigkeit: warum unbeschichtetes Glasfasergewebe versagt
Zementhaltige Armierungsmörtel sind stark alkalisch (pH-Wert weit über 12). Unbeschichtetes Glasfasergewebe verliert in diesem Milieu über Jahre an Zugfestigkeit — die Faser wird chemisch angegriffen, das Gewebe versprödet von innen, unsichtbar unter dem Putz. Bauübliche Armierungsgewebe sind deshalb mit einer alkalibeständigen Schlichte (meist auf Kunstharz- oder Silanbasis) beschichtet, die die Faser gegen den Zementmörtel abschirmt. Bei der Materialauswahl gehört die Alkalibeständigkeit nach der einschlägigen Prüfnorm zu den Pflichtangaben im Datenblatt — ein Gewebe ohne diesen Nachweis gehört nicht ins zementgebundene WDVS.
Wann Doppelarmierung notwendig wird
Eine zweite Gewebelage — entweder zwei Lagen Standardgewebe oder eine Kombination aus Panzer- und Standardgewebe — ist in folgenden Fällen üblich:
- Sockelbereich bis ca. 2 m Höhe, wo Stoßbelastung durch Personen- und Fahrzeugverkehr realistisch ist.
- Erdgeschosszonen mit Publikumsverkehr, etwa an Geschäftsfassaden oder Schuleingängen.
- Bereiche mit erhöhter mechanischer Beanspruchung, die im Systemdatenblatt des Putzherstellers explizit als Doppelarmierungszone definiert sind.
Die Systemzulassung des jeweiligen WDVS-Herstellers gibt hierzu meist verbindliche Vorgaben — Armierungsgewebe ist kein universelles Zubehör, sondern Teil der bauaufsichtlich geprüften Systemkombination aus Dämmstoff, Klebe-/Armierungsmasse und Gewebe. Wird ein Gewebe außerhalb der geprüften Kombination eingesetzt, erlischt in der Regel der Nachweis der Systemzulassung — im Schadensfall zahlt dann niemand.
Verarbeitungshinweise, die die Gewebewahl mitbestimmen
Auch das beste Gewebe versagt bei falscher Verarbeitung. Zwei Punkte betreffen unmittelbar die Materialauswahl:
- Überlappung: Standardgewebe wird typischerweise mit mindestens 10 cm Überlappung verlegt, damit an den Stößen keine Schwachstelle entsteht. Bei Panzergewebe gelten oft abweichende, systemspezifische Werte — das Datenblatt des Herstellers ist maßgeblich.
- Einbettungstiefe: Das Gewebe muss vollständig in der Armierungsmasse liegen, nicht nur angedrückt. Ein zu dünner Armierungsspachtel führt dazu, dass das Gewebe an der Oberfläche durchschimmert oder sich vom Untergrund löst.
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Zu unseren PETRALANA-Steinwolle-Fassadendämmplatten führen wir passende Standard- und Panzergewebe als Systemzubehör; TECHNONICOL-Sockeldämmung wird in der Regel mit der Panzergewebe-Variante kombiniert.
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