Materialwahl
Flachdach-Dämmung: PIR, EPS oder Steinwolle — Entscheidungshilfe
Aufbau, Drucklast, Feuchte, Brandschutz am Attika, Kosten pro U-Wert: Wann PIR, wann EPS, wann Steinwolle im Flachdach die richtige Wahl ist.
Am Flachdach konkurrieren drei Materialgruppen um den Standardaufbau: PIR-Hartschaum, EPS-Dachdämmung und Steinwolle-Dachplatten. Alle drei sind bauaufsichtlich zugelassen, alle drei werden von großen Herstellern in Systemen angeboten — und trotzdem ist die Entscheidung nicht beliebig. Sie richtet sich nach fünf Parametern: Dachaufbau, Nutzung der Fläche, Brandschutzanforderungen, verfügbarer Aufbauhöhe und Preis pro erreichtem U-Wert.
Der übliche Aufbau
Bei einem klassischen Warmdach über Trapezblech oder Betondecke liegt die Reihenfolge von unten nach oben: Dampfsperre, Dämmung (ein- oder zweilagig), Abdichtung (bituminös, EPDM oder FPO/PVC). Bei Wendedächern liegt die Dämmung über der Abdichtung und muss zusätzlich feuchtebeständig und UV-abgedeckt sein — hier fällt PIR und EPS in der Regel aus, es kommt XPS zum Einsatz. Die folgende Betrachtung bezieht sich auf das Warmdach.
Vergleich der drei Materialien
| Kriterium | PIR (TECHNONICOL LOGICPIR) | EPS DAA | Steinwolle Dachplatte |
|---|---|---|---|
| λB typisch | 0,023–0,026 | 0,032–0,036 | 0,036–0,040 |
| Druckspannung bei 10 % Stauchung | 120–175 kPa | 100–200 kPa | 40–80 kPa |
| Euroklasse | B-s2, d0 (alu) / E (roh) | E | A1 |
| Wasseraufnahme (kurz) | sehr gering | gering | gering, aber kapillar wirksam |
| Dampfdiffusionswiderstand μ | 60–100 | 20–100 | 1 |
| Typische Aufbauhöhe für U = 0,15 | ca. 160 mm | ca. 220 mm | ca. 260 mm |
| Preis pro erreichtem U-Wert | mittel bis hoch | niedrig | mittel |
PIR — wenn Aufbauhöhe knapp ist
PIR hat den mit Abstand besten Bemessungswert. Für einen U-Wert von 0,15 W/(m²·K) reichen ca. 160 mm — 60 bis 100 mm weniger als bei EPS oder Steinwolle. Bei Sanierungen mit vorgegebener Attikahöhe, bei Fluchttüren mit fester Türhöhe und bei Solaraufständerungen mit maximaler Aufbautoleranz kann das den Ausschlag geben. PIR ist trittfest genug für die üblichen Wartungslasten und lässt sich mechanisch befestigen oder verkleben. Nachteil: höhere Materialkosten pro m², eingeschränkter Brandschutz an sensiblen Zonen.
EPS — wenn Preis und Fläche zählen
EPS-Dachdämmung (typisch EPS DAA dm für mittlere Belastung) ist der kostengünstigste Aufbau. Bei großen, wenig gestörten Flächen — Logistikhalle, Fertigungshalle, Supermarkt-Neubau — ist das Material meist gesetzt. Die Druckspannung wird über die Typenreihe (dh, ds, dm, dk) an die Nutzung angepasst. Für begehbare Terrassenflächen ist EPS in der Regel zu weich; hier kommt PIR oder XPS.
Steinwolle — wenn Brandschutz vorrangig ist
Steinwolle-Dachplatten (zweischichtig, mit harter Oberseite) sind das einzige Material, das durchgängig A1 klassifiziert ist. Für Industriebauten mit hoher Brandlast, für Flachdächer über Fluchtwegen, für Objekte mit PV-Auflast bei erhöhten Brandschutzanforderungen und für den Brandschutzstreifen um Attika, Aufbauten und Lichtkuppeln ist Steinwolle Standard. Nachteile: höhere Aufbauhöhe, größeres Gewicht (typ. 40 bis 50 kg/m² bei 200 mm — statische Prüfung nötig), aufwendigere mechanische Befestigung.
Die Brandschutzzone am Attika
Fast alle Systemgeber schreiben bei Flachdächern mit brennbarer Dämmung (EPS, PIR ohne A1-Kern) einen umlaufenden Streifen aus Steinwolle vor — typischerweise 500 bis 1.000 mm breit entlang Attika und Lichtkuppeln, ggf. auch entlang von Trennwänden zwischen Brandabschnitten. Diese Kombination "Fläche in EPS/PIR + Streifen in Steinwolle" ist der wirtschaftliche Regelfall und in praktisch allen ETAs vorgesehen.
Entscheidungsleitfaden
- Aufbauhöhe unter 200 mm gefordert? → PIR als Regelaufbau.
- Große, unkritische Fläche mit niedrigem Budget? → EPS mit Steinwolle-Brandriegel.
- Industriehalle, PV-Anlage, erhöhter Brandschutz? → Steinwolle vollflächig prüfen.
- Begehbare Terrasse, Nutzung als Dachgarten? → PIR oder XPS mit statisch geprüftem Aufbau.
- Sanierung mit Bestandsattika? → PIR, weil höhengleiche U-Wert-Verbesserung.
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