Technisch
Lambda-Wert richtig lesen: nominell, gealtert, tatsächlich
λ = 0,022 W/(m·K) klingt gut — bis man den Bemessungswert einsetzt. Warum PIR-Systeme nicht mit ihrem Nennwert rechnen dürfen.
Wer Dämmstoff-Datenblätter vergleicht, stößt auf mindestens drei verschiedene Lambda-Werte: den deklarierten (λD), den gealterten (λaged) und den Bemessungswert (λB oder λdesign). Für die U-Wert-Berechnung in Ausschreibung und Nachweis ist nur einer relevant — und es ist praktisch nie der, der groß auf der Vorderseite des Datenblatts steht.
λD — der deklarierte Wert nach EN 13172
Der deklarierte Lambda-Wert ist das Ergebnis eines Prüfverfahrens nach EN 12667 (Heizplattenapparat) bei 10 °C Mitteltemperatur. Er wird statistisch abgesichert — 90 Prozent der geprüften Proben müssen ihn erreichen oder unterschreiten. Für die meisten Faserdämmstoffe und für EPS entspricht λD sehr eng dem Wert, der über die Lebensdauer der Dämmung real anliegt. Für zellige Dämmstoffe mit gasgefüllten Zellen — allen voran PIR, PUR und XPS — ist er nur die Ausgangslage.
λaged — die Alterung bei geschlossenzelligen Schäumen
PIR-Hartschaum wird mit einem Treibmittel geschäumt, dessen Gasfüllung (heute überwiegend Pentan) deutlich schlechter wärmeleitet als Luft. Über die Jahre diffundieren Pentan aus der Zelle und Luft hinein — der Lambda-Wert steigt. Die Prüfnorm EN 13165 kennt hierfür ein beschleunigtes Alterungsverfahren; das Ergebnis ist λaged.
Bei einem PIR-Element mit alukaschierten Deckschichten (Diffusionssperre) bleibt der Gasverlust gering — λaged liegt oft nur 0,001 bis 0,002 W/(m·K) über dem Neuzustand. Bei Vliesbeschichtung oder bei angeschnittenen Randbereichen ist die Alterung stärker.
λB — der Bemessungswert, der in die U-Wert-Rechnung geht
In Österreich regelt die ÖNORM B 6015 (bzw. B 8110-7 für den Nachweis), welcher Bemessungswert eingesetzt werden darf. In der Praxis rechnet man mit dem Wert, der auf dem CE-Kennzeichen und im Leistungserklärungsdokument (DoP) explizit als Bemessungs- oder Nennwert angegeben ist. Bei PIR-Herstellern wie TECHNONICOL findet sich dort typischerweise ein Wert von λB = 0,023 bis 0,026 W/(m·K), obwohl auf der Vorderseite oft λD = 0,022 W/(m·K) prominent gezeigt wird.
Was das für den U-Wert bedeutet
Ein Rechenbeispiel für eine 120-mm-PIR-Platte, Flachdach:
| Ansatz | Lambda | R-Wert (m²K/W) |
|---|---|---|
| Nennwert vom Prospekt | 0,022 | 5,45 |
| Bemessungswert aus DoP | 0,025 | 4,80 |
| Differenz | — | −12 % |
12 Prozent klingen wenig — bei einem geforderten U-Wert von 0,15 W/(m²·K) reicht das aber, um die Konstruktion zu unterlaufen. In der Ausschreibung wird der Nennwert dann geliefert, im Nachweis kippt das Ergebnis.
Drei Prüfschritte für den Einkauf
- DoP verlangen, nicht Prospekt. Der Bemessungswert steht in der Leistungserklärung, nicht im Verkaufsblatt. Ohne DoP kein CE-konformer Nachweis.
- λB gegen ausgeschriebenen Wert vergleichen. Wenn im LV λ = 0,024 W/(m·K) gefordert ist, muss die DoP genau diesen Wert oder besser ausweisen — nicht den λD.
- Bei Steinwolle und EPS: hier ist die Differenz zwischen λD und λB meist marginal; der Prospektwert ist rechenbar. Bei PIR und XPS: immer auf das Datenblatt der jeweiligen Produktgeneration schauen.
Warum wir das ansprechen
Als Distributor sowohl von Steinwolle (PETRALANA) als auch von PIR (TECHNONICOL) haben wir keinen Grund, ein Material besser darzustellen als es ist. Der ehrliche Vergleich läuft immer über den Bemessungswert — und der ist bei PIR trotzdem deutlich besser als bei jedem Faserdämmstoff. Nur eben nicht so gut, wie die Titelzeile suggeriert.
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Für die exakten Bemessungswerte unserer Produkte finden Sie DoP und CE-Kennzeichnung in jedem Produktdatenblatt. Bei TECHNONICOL LOGICPIR ist λB je nach Dicke und Deckschicht separat ausgewiesen.
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