Materialwahl
Steinwolle vs. Glaswolle für die verputzte Fassade — was tatsächlich zählt
Lambda, Brandklasse, Setzung, Systemzulassung: Wo beide Faserdämmstoffe im WDVS wirklich Unterschiede machen — und wann welches Material passt.
Steinwolle und Glaswolle werden im verputzten Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) oft synonym behandelt — beide sind Mineralwolle, beide nicht brennbar, beide dampfoffen. In der Praxis unterscheiden sie sich jedoch in vier Dimensionen, die für die Materialwahl entscheidend sind: Wärmeleitfähigkeit, Verhalten im Brandfall, Formstabilität über die Lebensdauer und die Verfügbarkeit von Systemzulassungen.
Wärmeleitfähigkeit — geringer Unterschied, große Wirkung
Glaswolle-Fassadenplatten liegen bei einem Bemessungswert von rund λ = 0,032 bis 0,036 W/(m·K). Steinwolle-Fassadenplatten bewegen sich bei λ = 0,035 bis 0,041 W/(m·K), abhängig von Rohdichte und Faserausrichtung. Für eine identische U-Wert-Anforderung bedeutet das rund 10 bis 15 Prozent zusätzliche Dämmstärke bei Steinwolle. Bei knappen Laibungen oder engen Grundstücksgrenzen kann das den Ausschlag geben.
Brandklasse — beide A1, aber nicht gleich belastbar
Beide Materialien erreichen Euroklasse A1 nach EN 13501-1, sind also nicht brennbar. Der entscheidende Unterschied liegt im Schmelzpunkt: Steinwolle-Fasern bleiben bis über 1.000 °C formstabil, Glaswolle beginnt ab ca. 600 °C zu erweichen. Für Brandriegel bei mehrgeschossigen Gebäuden, für Fassaden mit EPS-Kern und für Objekte mit erhöhten Brandschutzanforderungen (Fluchtwege, Sonderbauten) ist deshalb praktisch immer Steinwolle vorgeschrieben — Glaswolle-Riegel sind bauaufsichtlich in der Regel nicht anerkannt.
Setzung und Formstabilität
Fassadenplatten aus Steinwolle mit Rohdichten ab 90 kg/m³ (PETRALANA PETRAFAS und vergleichbare Produkte) zeigen praktisch keine Setzung. Glaswolle-Fassadenplatten sind deutlich leichter (typisch 60 bis 90 kg/m³) und weicher — auf großen Flächen und bei Windsog treten größere Verformungen an der Putzaufnahme auf. Wird der Putz sauber verarbeitet, spielt das im Regelfall keine Rolle; bei anspruchsvollen Sichtputzen und Fassaden mit hoher Windlast (Alpenraum, exponierte Lagen) ist Steinwolle die konservativere Wahl.
Systemzulassungen — der praktische Engpass
Ein WDVS ist nicht die Summe seiner Komponenten, sondern ein zugelassenes System aus Dämmplatte, Kleber, Dübel, Armiergewebe, Grundierung und Oberputz. Für Steinwolle-Fassadensysteme gibt es europaweit ETAs praktisch aller großen Putzhersteller. Für reine Glaswolle-WDVS ist das Angebot dünner — häufig sind hier zusätzliche Klebeflächen, spezielle Dübeltypen oder Voranstriche vorgeschrieben. Prüfen Sie deshalb immer die ETA des vorgesehenen Putzsystems, bevor Sie den Dämmstoff festlegen.
Kompakter Vergleich
| Kriterium | Steinwolle | Glaswolle |
|---|---|---|
| λ Bemessung (Fassade) | 0,035–0,041 | 0,032–0,036 |
| Euroklasse | A1 | A1 |
| Schmelzpunkt Fasern | >1.000 °C | ca. 600 °C |
| Typ. Rohdichte Fassadenplatte | 90–150 kg/m³ | 60–90 kg/m³ |
| Brandriegel-Eignung | ja | in der Regel nein |
| Systemzulassungen WDVS | sehr breit | eingeschränkt |
Wann was?
Steinwolle ist die richtige Wahl bei Brandriegeln, mehrgeschossigen Wohnbauten, Sonderbauten, exponierten Lagen und überall dort, wo der Systemgeber es fordert. Glaswolle spielt ihre Vorteile bei Dämmstärken-kritischen Sanierungen und dort aus, wo das Putzsystem sie explizit zulässt — hier bringt das bessere Lambda einen echten Platzgewinn.
Verwandte Materialien
Für Fassadensysteme führen wir PETRALANA PETRAFAS (Steinwolle-Fassadenplatte, ab 90 kg/m³, λ 0,036) sowie ergänzende Sockeldämmplatten aus XPS und PIR. Für Brandriegel-Anforderungen liefern wir Streifen konfektioniert nach Vorgabe.
Konkreten Bedarf? [Anfrage in 60 Sekunden](/kontakt) — wir vergleichen Ihre Systemzulassung mit dem passenden Material und liefern innerhalb weniger Tage in ganz Österreich und in die Schweiz.
